Internationale Diplomatenausbildung - eine ungarische Teilnehmerin berichtet
Der 33. Internationale Diplomatenlehrgang des Auswärtigen Amtes fand dieses Jahr vom 12. April bis 19. Juni in Berlin statt. Als einzige Referentin für die Beneluxstaaten im ungarischen Außenministerium fiel es mir zunächst schwer, mein Büro in Budapest zu verlassen. Da wusste ich jedoch noch nicht, wie schwer es mir fallen würde, Berlin nach zehn Wochen wieder zu verlassen. Jetzt nach meiner Rückkehr, fühle ich, dass ein Teil meines Herzens in Berlin geblieben ist.
Wenn man Gast im deutschen Auswärtigen Amt (AA) ist, lernt man viel über den Diplomatenberuf. Zuerst waren wir für einige Wochen Studenten und haben Vorträge über Geschichte, Diplomatie, Wirtschaftspolitik und Protokollführung gehört. Sowohl die Abteilungsleiter des AA als auch  ehemalige Botschafter waren stets bereit, unsere Fragen zu beantworten und Diskussionen zu bestimmten Themengebieten zu führen.
Für weitere drei Wochen waren wir dann Besucher im Kern Europas: in Brüssel und Wien, dann wieder in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen und in Mecklenburg-Vorpommern. Nach den theoretischen Diskussionen konnten wir so auch in der Praxis sehen, wie die Bundesländer als Teil von Deutschland und Deutschland selbst als Mitgliedstaat der EU, OSZE und der UN funktionieren.
Nach diesem Praxiserfahrung konnten wir uns als zukünftige Diplomaten üben, indem wir vor der Kamera simulierten. Später wurde analysiert, wie eine gute Festrede zu halten oder Pressemitteilung zu schreiben ist. Dank Herrn Rohrbachs ehrlichen Worten über unsere Sprachkenntnisse haben wir uns bei dieser Übung besonders weiterentwickelt. Bei zukünftigen Reden sollten wir uns also an seine Ratschläge erinnern.
In der Rolle als zukünftige Diplomaten wurden wir dann für drei Wochen zu Hospitanten im AA. Die deutschen Kollegen haben es geschafft, dass wir uns dort, wenn auch nur für wenige Wochen, nützlich fühlten. Diese Erfahrung hat zu unserer Entwicklung in der deutschsprachigen Arbeit einen großen Beitrag geleistet. In dem Programm hatten wir auch die Möglichkeit, das kulturelle  Leben in Berlin mitzubekommen und dank der guten Organisation die Option, mehrere deutsche Kollegen kennenzulernen.
Beruflich lernt man beim Internationalen Diplomatenlehrgang viel, und wenn die Möglichkeit besteht, den Beruf später zu praktizieren, kann man auf diese Basis zurückgreifen. Was man zudem während des Kurses gewinnt, ist etwas viel Größeres: nämlich Freundschaften fürs Leben. Man könnte dies auch einfach „Networking“ nennen. Glücklicherweise geht es aber in einigen Fällen um viel mehr. Wenn man weiss, dass man sich in den kommenden Monaten mit einigen Kollegen erneut treffen wird, wird einem klar, dass die zehn Wochen in Berlin auch von persönlicher Bedeutung waren. Man kann sich darauf freuen die neuen Freunde in den nächsten Jahren immer wieder irgendwo auf der Welt, aber hoffentlich in Berlin, wiederzusehen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in dem AA nicht nur beruflich weiterentwickeln, sondern auch eine Bereicherung meines Freundeskreises erfahren werde. Ich bin froh darüber in den letzten zwei Monaten Teil dieses Projektes gewesen zu sein. Ein ganz herzliches Dankeschön für die Teilnahmemöglichkeit.

Bíborka Molnár-G.

Budapest, 29. Juni 2010