Ohne Eis kein Eisbär - Eisbär Knut symbolisiert den Klimawandel

"Sehr geehrter Herr Dr. Blaszkiewitz, sehr geehrte Damen und Herren,

als ich meiner Tochter erzählte, dass ich die Patenschaft des kleinen Eisbären Knut übernehmen würde, wollte sie sofort mit mir tauschen. Glauben Sie mir: Das ist nur selten so. Auch für mich ist das eine ganz besondere Ehre: Wer würde nicht gerne in Berlin Pate von einem Bären werden.

Von einem Eisbären, dessen Aufzucht ein überaus seltener Erfolg ist. Diese Patenschaft bedeutet mir aber vor allem deshalb so viel, weil ich als Umweltminister für den Klimaschutz zuständig bin. Kaum ein anderes Tier symbolisiert die Folgen des Klimawandels so deutlich wie der Eisbär. Ohne Eis kein Eisbär.

Heute leben noch schätzungsweise 20- bis 25.000 Eisbären in der Arktis. Sie sind vom Aussterben bedroht, denn ihre Verbreitungsgebiete und Jagdmöglichkeiten werden durch die globale Erwärmung immer kleiner. In den letzten 100 Jahren erwärmte sich die Lufttemperatur am Nordpolarmeer um ganze fünf Grad Celsius. Die Eisbären bewegen sich buchstäblich auf dünnem Eis: Das Eis ist heute nur noch halb so dick wie vor 20 Jahren. Es schmilzt im Frühling früher und friert im Herbst später ein. Gewicht und Geburtenrate der Bären sind dadurch seit 1980 um rund zehn Prozent gesunken. Wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten, könnte die Arktis bereits 2080 im Sommer eisfrei sein. Dann gäbe es vielleicht schon in gut 70 Jahren keine Eisbären mehr in freier Natur.

Ich verbinde mit dieser Patenschaft für Knut die Pflicht, mich für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik einzusetzen. Eine Klimapolitik, die auch den Lebensraum von Eisbären sichert. Die Bundesregierung hat die Klimaschutzpolitik ganz oben auf ihre Tagesordnung gesetzt. Unser Ziel ist, die weltweite Klimaerwärmung unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten. Bei mehr als zwei Grad droht das gesamte Grönlandeis zu schmelzen.

Unter deutscher Präsidentschaft hat der Europäische Rat erst kürzlich eine historische Entscheidung zu Klimaschutz und Energie verabschiedet. Die Europäische Union will den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Die EU wird also auch in Zukunft eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen. Das ist eine wichtige Grundlage für die internationalen Verhandlungen für ein Klimaschutzabkommen nach 2012. Ich werde mich dafür stark machen, dass der Klimaschutz ganz oben auf der Tagesordnung bleibt und die Eisbären noch lange unbeschwert ihre Beute jagen können.

Knut wünsche ich auch weiterhin einen Bärenhunger (nur nicht, wenn ich gleich in sein Gehege gehe), den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier im Zoologischen Garten in Berlin eine weiterhin erfolgreiche Aufzucht dieses Bären und aller Zootiere. Auf dass auch aus Knut ein "König der Kälte" werde – in einer Welt, in der auch die Arktis kalt bleibt.

Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zoologischen Gartens für ihr unermüdliches Engagement zum Schutz der Tiere."

Rede von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am 23.03.2007, Berlin
(Foto: Liesa Johannssen)